top of page

Wie viel und was muss festgelegt werden?

Eckpunkte der Professionalisierung in der MusiklehrerInnenbildung

Stefan Orgass (Hg.)

 

Mit dem Sonderheft S7 zur Zeitschrift „Diskussion Musikpädagogik“ legt der Hildegard-Junker-Verlag die Dokumentation jener Tagung der Bundesfachgruppe Musikpädagogik vor, die unter dem Thema „Wie viel und was muss festgelegt werden? Eckpunkte der Professionalisierung in der MusiklehrerInnenbildung“ vom 18. bis zum 20. Februar 2016 in Uder stattfand. Die Tagung verlief offenbar in mehrfacher Hinsicht unter reger Beteiligung. Erstens war sie gut besucht, und zweitens  hatte der Vorstand der BFG eine Dramaturgie der intensiven Beteiligung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorgesehen. Der bisherige Vorsitzende Stefan Orgass und der Vorstand hatten das Programm der Tagung und ihren Verlauf doppelt grundiert. Einerseits hatten sie die Tagung dreifach motiviert, als Frage nach der Bedeutung einer akademischen Musiklehrerausbildung, als Überlegungen zu ‚von oben’ verfügten Curricula und  als Auseinandersetzung mit den seit geraumer Zeit diskutierten umstrittenen Überlegungen zu einem „Werke-Kanon“ des Musikunterrichts. Andererseits – und das stand offenbar während aller Diskussionen offen oder mehr im Hintergrund in allen Räumen – war die ganze Tagung innerviert von den kritischen oder zustimmenden politisch-erziehungswissenschaftlichen Forderungen der pädagogischen Neuzeit nach einer Kompetenzorientierung. Es ist Stefan Orgass hoch anzurechnen, dass er, um diese Diskussion in Gang zu bringen, ausgerechnet Andreas Gruschka erfolgreich um den einleitenden Hauptvortrag gebeten hatte, einen Kollegen, von dem er wissen konnte, wie entschieden er mit wahrhaft triftigen Argumenten seit langem gegen jenes von „Pisa“ und seinen Jüngern angestoßene Konzept streitet, gemeinsam mit einer neuen Frankfurter Schule, zu der nicht zuletzt der musikbegeisterte Horst Rumpf sich einst und deutlich zu Wort meldete. Stefan Orgass sei ausdrücklich dafür gelobt, dass er keine Angst vor dem offenen Messer hatte, das Andreas Gruschka blankgeputzt bereithielt. Erfreulich an der Dokumentation der Tagung ist – außer dem Abdruck einzelner Referate, die im dieser Dokumentation vorangestellten Tagungsablauf angezeigt sind – die ausführliche Berichterstattung der Gruppenarbeit, ihrer speziellen Themen und die Vielfalt der Bezüge, welche das Thema aufblättern. Da gibt es beschämende Blicke in Schulbücher, eine (auch historische) Zusammenstellung jener angeblich pädagogischen Begriffe, die die Musikdidaktik gleichsam ,von oben’ regeln, Zumutungen an die Referendarausbildung und überhaupt die Einflussnahme des Staates auf die Pädagogik, die einst schon Wilhelm von Humboldt geißelte. Und es gibt die altbekannten Sorgen, der Musikunterricht könnte Schaden nehmen und müsse um seine Zukunft besorgt sein, wenn man das Spiel der Bildungspolitik und der allgemeinen Didaktik nicht mitspiele. Der Tagungsband regt auch deshalb zur Lektüre an, weil er eine große Vielfalt von Argumenten und Meinungen zu den heute bewegenden Überlegungen zur Musikpädagogik zusammenträgt und auf die sonst übliche Liturgie des musikdidaktischen Ordinarium Missae in den Vorträgen ihrer Tagungen verzichtet.

 

Christoph Richter, Schriftleiter und Mitherausgeber der Zeitschrift  „Diskussion Musikpädagogik“ und ihrer Sonderhefte

DMP-S7 - Wie viel und was muss festgelegt werden?

Artikelnummer: DMP-Sonderheft-07
14,90 €Preis
inkl. MwSt. |
Anzahl
  • Tagungsprogramm

    • Wie viel und was muss festgelegt werden? Eckpunkte der Professionalisierung in der MusiklehrerInnenbildung BFG-Tagung vom 18. bis zum 20. Februar 2016 in Uder

    18. 02. 2016: Einführung in die Thematik

    • Stefan Orgass Begrüßung und Einführung

    • Andreas Gruschka Musik als Unterrichtsfach in Zeiten der Kompetenzorientierung und in der Erinnerung an das Konzept der kategorialen Bildung

    • Wolfgang Feucht Auf der Suche nach einem für die Musikpädagogik fruchtbaren Kompetenzbegriff Bericht von der Diskussion des Gruschka-Referates und deren Weiterführung

    • Martina Benz & Thomas Erlach Außerschulische Einflüsse auf die MusiklehrerInnenbildung Dokumentation der Gruppenarbeit

    19. 02. 2016: Dokumentation der Stationsarbeit

    • Stefan Orgass Station 1: Systematische Musikpädagogik Diskussion dreier Modelle der Themenvorgabe bzw. -findung für Musikunterricht

    • Lars Oberhaus Station 2: Schulbezogene curriculare Voraussetzungen

    • Constanze Rora Station 3: Unterrichtsmaterialien Schulbuch und Ausbildungsmaterialien zur „Sonatenhauptsatzform“

    • Katharina Schilling-Sandvoß Station 4: Prüfungsordnungen und Prüfungsformate

    • Stefan Orgass Plenum Wechselseitige Vorstellung der Arbeitsergebnisse in den Gruppen (Karteikarten auf Stellwänden) und allgemeine Aussprache

    Langfassungen der am 20. 02. 2016 in gekürzter Form vorgetragenen Beiträge

    • Werner Jank & Katharina Schilling-Sandvoß Was und wie viel haben wir festgelegt? Frankfurter Eckpunkte der Professionalisierung in der GrundschullehrerInnen-Bildung

    • Stefan Orgass Toposdidaktische Grundlagen des Fachs Literatur- und Interpretationskunde in den Lehramtsstudiengängen der Folkwang Universität der Künste (Essen)

    • Klaus Riedel Zwischen Radikalität und Überforderung? Obligatorische Bestimmungen der „Schulpraktischen Lehrerausbildung“ in Nordrhein-Westfalen

    Gruppenarbeitsergebnisse und abschließende Podiumsdiskussion

    • Wolfgang Feucht Dokumentation der Präsentation der Gruppenarbeitsergebnisse (Stationsarbeit des Vortages) und der abschließenden Podiumsdiskussion

bottom of page