Liebe Leserinnen und Leser,

 

es mag verwundern, dass schon nach kurzer Zeit ein zweites Themenheft zum Begriff, zu den Aufgaben und den Problemen der sogenannten Inklusion und einer inklusiven Organisationsform der Schule erscheint (siehe Heft 70). Der Grund hierfür ist die rege Reaktion auf die Art, in welcher das erste Heft gestaltet war – sowohl mit kritischen Tönen als auch mit Tönen der Ermunterung, sich dem zur Zeit sowohl modischen als auch nützlichen und dringenden Thema genauer zu widmen. Sowohl Leser wie auch potenzielle Autorinnen und Autoren haben sich gemeldet, und so ergab sich für den Verlag der Beschluss, die ausgelöste Diskussion und die verschiedenen Stellungnahmen noch einmal aufzugreifen. Bei der Vorbereitung der hier vorgelegten Ausgabe zeigte sich ein doppeltes Interesse: Da ist zum einen das Interesse, sich über die grundsätzlichen und theoretischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer gemeinsamen Erziehung ganz verschiedener junger Menschen Gedanken zu machen – mit dem Ziel, für die Unterrichtspraxis sinnvolle und erfolgreiche Konzepte zu entwickeln. Es erwies sich ferner als notwendig, den politisch definierten Begriff von Inklusion zu einem allgemeinen Thema der Pädagogik auszuweiten. Einige Kolleginnen und Kollegen berichten von mehr oder weniger gelungenen Einzelprojekten oder aus dem Alltag von gelebter Inklusion. Es erreichten uns aber auch Berichte von den Schwierigkeiten, junge Menschen mit Behinderungen oder Schwächen mit wie auch immer definierten „normalen“ Schülerinnen und Schüler gemeinsam zu unterrichten, ohne die einen oder die anderen in ihrem Handeln, in ihren Interessen, ihrem Können und in ihrer Entwicklung zu benachteiligen.
Vermutlich ist es an der Zeit, wieder einmal oder endlich darüber nachzudenken, was Schule leisten kann oder soll, damit möglichst viele verschiedene Menschen gute Möglichkeiten haben, ihr eigenes Leben zu gestalten.
Das scheint umso dringender, als die Hüter über Lehr- und Bildungspläne, über gemeinsame Ziele und Kompetenzen mehr Phantasie und Verständnis für gelingendes Leben der Einzelnen (in der Gemeinschaft der gesellschaftlichen Gruppen) entwickeln. Es sollte gelten: die Menschen sind nicht für eine prosperierende Wirtschaft da, sondern die hoffentlich hilfreiche Wirtschaft ist für ein mögliches glückliches Leben der Menschen da.

 

Christoph Richter

DMP 79: Inklusion II

Artikelnummer: DMP-Heft-79
13,40 €Preis
inkl. MwSt. |
  • Das Wort zum dritten Quartal

    • Christoph Richter
      Digitalisierung und Inklusion
      Zwei ungleiche Geschwister?

    Inklusion II

    • Sophia Friedmann & Maximilian Busch
      Inklusion – notwendige Performanzen an Musikhochschulen
      Einsprüche aus Studierenden-Perspektiven der Musikhochschule Lübeck
    • Björn Tischler
      Inklusion – mehr als zwei Seiten einer Medaille
      Über das Für und Wider in der Inklusionsdiskussion
    • Erik Esterbauer & Shirley Salmon & Karin Schumacher
      Einschätzung der Beziehungsfähigkeit mit Hilfe des “EBQ-Instruments” im inklusiven Musikunterricht
    • Michael Pabst-Krueger
      Inklusion – für Musikhochschulen eine besondere Herausforderung
      Problemaufriss und Fallbeispiel Musikhochschule Lübeck
    • Rebekka Hüttmann
      Ich. Du. Musik. Inklusion.
      Über die Herausforderungen einer inklusiven Musikpädagogik
    • Margarete Ruickoldt
      „Music Train“
      Ein Musical-Projekt zur Anbahnung einer Kooperation zwischen Schülerinnen und Schülern einer 3. Grundschulklasse und einer 3. Klasse eines Förderzentrums mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung
    • Elke Köllmann
      Inklusive Ensemblearbeit
      Was erwarten die teilnehmenden Jugendlichen mit Lernbeeinträchtigungen?
    • Stefan Orgass
      Kategoriale Bildung im inklusiven Musikunterricht
      Zur Differenzierung musikbezogenen kategorialen Vermögens

    Freie Beiträge

    • Lele Kremer & Wolfgang Mastnak
      Musikpädagogik und Sexologie
      Eine sinologische Perspektive