Liebe Leserinnen und Leser,

 

die Anregung, ein Themenheft zur Situation, zu den Möglichkeiten und zu den Problemen der Inklusion zusammenzustellen, kam von Prof. Dr. Corinna Vogel, Hochschullehrerin im Bereich Musikpädagogik an der Musikhochschule in Köln. Freundlicherweise nannte sie auch gleich einen Personenkreis von möglichen Autorinnen und Autoren für dieses Thema. Bei der Beschäftigung und der Gestaltung mit ihm zeigte sich dem Schriftleiter, der die Entwicklung von Inklusionsbemühungen bisher mehr aus der Ferne wahrgenommen hatte, dass der Umgang mit dem Thema zwar weit verbreitet ist, dass es aber Mühe machte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das sogleich in Vorbereitung genommene Themenheft zu finden. Nach Absagen, halben Zusagen und nicht erfüllten Versprechungen ist letztlich wenigs­tens dem Umfang nach ein Themenheft entstanden, von dme ich hoffe, dass viele der Aspekte zusammengetragen werden konnten, die den Kreis der Konzepte, der Wünsche und Meinungen, vor allem auch der beschreibbaren Praxis von Inklusion einigermaßen abschreiten.
So bieten die Beiträge dieser Ausgabe der „Diskussion Musikpädagogik“ eine Reihe von bedenkenswerten Erfahrungen, Plänen, Schwierigkeiten und grundsätzlichen Überlegungen. Sie entwerfen aufs Ganze gesehen zwar kein gültiges Konzept, aber vielleicht doch eine Diskussionsgrundlage für eine Pädagogik und eine Schulpraxis, die den – mittlerweile ja in Gesetze gegossenen – Gedanken der gleichen Chancen für alle ernsthaft aufnehmen (siehe den Beitrag von Corinna Vogel).
Zu den offenen Fragen gehören Überlegungen, wie schulische Erziehung für die „Normalen“ gestaltet werden kann, die mit den „Inkludierten“ zusammen lernen und in Lerngruppen zusammen leben sollen. Auch wird die Frage gestellt, wie die wie auch immer behinderten jungen Menschen „beschult“ werden können, ohne ihre Individualität, ihre hoch zu achtenden Lebensmöglichkeiten und ihren Willen einzuschränken, sondern möglichst in jedem einzelnen Fall zu fördern. 
Die politisch erlassenen Verordnungen und Konzepte – so scheint es mir – haben allenfalls den Charakter von abstrakten, wenn auch freilich notwendigen Aufforderungen, sich in den unzähligen „Einzelfällen“ kleine pädagogische Wirklichkeiten auszudenken, sie zu erproben und zu diskutieren und im Moment und aus plötzlich auftretenden Gründen individuell zu gestalten. Die in diesem Heft beschriebenen praktischen Möglichkeiten haben mich berührt und sind Anlass zu Veränderungen – mehr als die hehren Gesetzesformulierungen.

 

Christoph Richter

DMP 70: Inklusion im Musikunterricht

Artikelnummer: DMP-Heft-70
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  • Das Wort zum zweiten Quartal

    • Christoph Richter
      Inklusion
      Das Wort zum zweiten Quartal

    Inklusion im Musikunterricht

    • Corinna Vogel
      Inklusion und Partizipation
      Ansprüche an eine zeitgemäße Musikpädagogik
    • Björn Tischler
      Inklusion und ihre möglichen Folgen für den Musikunterricht
      Ein Beitrag zur musikpädagogischen Inklusionsdiskussion
    • Christine Löbbert
      Inklusion im Alltag
    • Tobias Dehler
      Dabei sein alleine ist noch nicht alles
      zum Zusammenspiel von Fachdidaktik und Förderpädagogik im inklusiven Musikunterricht
    • Daniela Laufer
      ,Ein gutes Leben für alle’
      Grundlegende Betrachtungen zum inklusiven Musikunterricht
    • Annette Ziegenmeyer
      Komponieren – eine Chance für den inklusiven Unterricht?
    • Achim Tang
      Inklusive Ensemblearbeit

    Freie Beiträge

    • Michael Göllner & Anne Niessen
      Perspektiven auf Differenzierung im Musikklassen-, Musik- und Ensembleunterricht
      Eine vergleichende qualitative Studie auf Grundlage von Lehrer- und Schülerinterviews